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In
unterschiedlicher Verfassung
Von Harald Neuber. 10.11.2008
In Berlin berieten Experten aus Deutschland und Lateinamerika
über die Reform der Grundgesetze im Süden
– und die Lehren für den Norden
Berlin. Die Reformen der Verfassungen in Bolivien, Ecuador
und Venezuela standen am Wochenende auf einer Konferenz
in Berlin zur Debatte. Auf Einladung des Linkspartei-nahen
Vereins „Helle Panke“ waren Vertreter aus
Lateinamerika nach Deutschland gekommen, um die Reformprozesse
zu erklären. Schließlich seien sie „Ergebnis
(…) und zu gleich Voraussetzung umfassender demokratischer
Umwälzungen in diesen Gesellschaften“, wie
es in der Einladung hieß. Wie dieser Erfolg auch
in Deutschland umgesetzt werden kann – darum drehten
sich von Freitagabend bis Sonntagnachmittag die Gespräche.
Hermann Klenner zeigte sich zu Beginn der Tagung davon
überzeugt, dass „Europa von Lateinamerika
derzeit viel lernen kann“. Der Berliner Juraprofessor
verwies darauf, dass auch in Europa die bedeutenden
Verfassungen aus Revolutionen heraus entstanden sind
– vor allem in Frankreich. Die damals entstandenen
Dokumente wie die Allgemeine Erklärung der Menschen-
und Bürgerrechte oder amerikanische Verfassungen
seien bis heute wegweisend. Der zweite Blick aber zeige
die Probleme dieser bürgerlichen Verfassungen:
Sie nehmen abstakt auf die Menschenrechte Bezug, ohne
wirtschaftliche Interessen zu beachten. Mehr noch: In
Frankreich sei 1789 gar der Schutz des privaten Eigentums
festgeschrieben worden. Dies sei bis heute die Basis
sozialer Ungerechtigkeit. Klenner verwies auch darauf,
dass Karl Marx erstmals auf die Probleme des bürgerlichen
Menschenrechtsbegriffs verwiesen habe. Es müsse
deswegen gerade in Europa eine Debatte über die
Rolle der sozialen Rechte geführt werden. Die neuen
lateinamerikanischen Verfassungen hätten diesen
Schritt schon getan und seien ein positives Beispiel.
Am Sonntag standen konkrete politische Fragen auf der
Tagesordnung. Joachim Wahl vom Arbeitskreis Lateinamerika
der Linkspartei verwies auf die Politik der „externen
Demokratieförderung“ wie sie auch von der
deutschen Bundesregierung gegen die progressiven Staatsführungen
betrieben werde. Auch Kurt Neumann, Referent für
Europapolitik der Linkspartei, wie auf die Versuche
der Einflussnahme durch die USA und EU-Regierungen hin.
„Die Frage ist, wie die Rosa-Luxemburg-Stiftung
hier entgegenwirken kann“, so Neumann.
Einig war man sich in der Notwendigkeit, enge Beziehungen
zu sozialen Bewegungen zu halten. Man dürfe nicht
vergessen, dass in Lateinamerika linke Parteien verschwunden
seien, weil sie diese Verbindung schleifen gelassen
haben, sagte Hernán Ibarra aus Ecuador. In der
Region sei deswegen nun eine neue Linke am Ruder. Bestätigt
wurde diese Einschätzung von Silvia Lazarte, der
Präsidentin der verfassunggebenden Versammlung
Boliviens: „Wir wollen eine wahrhaft demokratische
und partizipative Linke aufbauen“, sagte sie.
Zu Beginn der Tagung hatte der Hermann Klenner bereits
auf das Problem hingewiesen, dass auch die Linkspartei
in Deutschland das repräsentative Mandat gegenüber
dem imperativen Mandat verteidigt – und damit
grundsätzlich die Bildung politischer Eliten begünstigt.
Nach drei Tagen Debatten war klar: Die politischen Prozesse
in Lateinamerika und Europa unterscheiden sich zwar
erheblich. Trotzdem können beide Seiten aus Vergangenheit
und Gegenwart viel voneinander lernen. Die deutsche
Linke vor allem aus der Gegenwart.
amerika21.de
KOLUMBIEN:
Tote und
Verletzte in Kolumbien
Polizei erschießt mindestens
drei indigene Demonstranten.
Protest gegen illegale Landnahme und Freihandel
Von Harald Neuber. 17.10.2008
Bogotá. Im Südwesten Kolumbiens sind staatliche
Kräfte gewaltsam gegen protestierende Ureinwohner
vorgegangen und haben dabei mindestens drei Demonstranten
getötet. Das erklärten Vertreter der Nationalen
Indigenenvereinigung (ONIC) am Donnerstag. Bis zu 90
Menschen wurden verletzt, als die Polizei gegen die
Demonstranten vorging, die eine Straße zwischen
den Provinzhauptstädten Popayan und Cali blockiert
hatten. An den Protesten nahmen über zehntausend
Menschen teil. Der Präsident der ONIC, Luis Evelio
Andrade, warf den staatlichen Kräften vor, "wahllos
das Feuer" auf die Menschen eröffnet zu haben.
Der Widerstand der Indigenen richtet sich gegen die
Regierung von Präsident Alvaro Uribe. Nach ihrer
Meinung missachtet die Staatsführung systematisch
die Landrechte der Ureinwohner. Ziel ist es, Verhandlungen
mit der Uribe-Führung zu erzwingen. Regierungs-
und Polizeivertreter werfen den Demonstranten aber vor,
mit der linksgerichteten Guerillaorganisation Revolutionäre
Streitkräfte Kolumbiens (FARC) gemeinsame Sache
zu machen. Beweise dafür gab es nicht. In Kolumbien
werden soziale Proteste von staatlicher Seite immer
wieder mit Verweis auf angebliche Verbindung zu den
Rebellen kriminalisiert.
Die Proteste richteten sich auch gegen ein geplantes
Freihandelsabkommen zwischen dem südamerikanischen
Land und den USA. Die Ureinwohner befürchten unter
anderem, dass in diesem Fall die industrielle Landwirtschaft
forciert und die Vertreibungen der Landbewohner verstärkt
wird. Auch wandten sie sich gegen die Militarisierung
Kolumbiens durch die Uribe-Regierung und die USA.
Der Konflikt um Freihandelsabkommen betrifft auch Deutschland.
Die Bundesregierung setzt sich innerhalb der EU für
eine solche Vereinbarung auch mit der EU ein. Als Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU) vor wenigen Wochen in Bogotá
zu Gast war, bot ihr Amtskollege Uribe sein Land für
den großflächigen Anbau von Pflanzen zur
Gewinnung von Agrotreibstoffen an. Nach Meinung von
Menschenrechtsgruppen würde ein Ausbau weitere
Vertreibungen von Landbewohnern nach sich ziehen und
die ungerechte Verteilung von Boden weiter verschärfen.
Schon jetzt sind in Kolumbien rund viel Millionen Menschen
gewaltsam vertrieben worden – mehr Binnenflüchtlinge
gibt es nur im Sudan.
amerika21.de
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AUSNAHMEZUSTAND
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KOLUMBIEN:
Tote
und Verletzte in Kolumbien > Polizei
erschießt mindestens drei indigene Demonstranten.
Protest gegen illegale Landnahme und Freihandel
Von Harald Neuber. 17.10.2008

KOLUMBIEN
Präsident
bricht Streik durch Ausnahmezustand
amerika21. 11.10.2008
Alvaro Uribe verhängt
nach wochenlangem Streik den Ausnahmezustand im Justizsystem.
UNO besorgt über Massenverhaftungen
Bogota. Am Freitag erklärte sich die UNO besorgt
über die andauernden Massenverhaftungen in Kolumbien.
In einigen Regionen des Landes würden massenhaft
Menschen in Vorbeugehaft genommen. Darüber hinaus
sei die gesundheitliche Lage in den Gefängnissen
besorgniserregend, berichtet die Nachrichtenagentur
EFE. In den vergangenen Tagen haben fünf Beobachter
der UNO Gefängnisse, Militär- und Polizeistationen
in mehreren Regionen besucht, aus denen Nichtregierungsorganisationen
(NGO) die schwersten Fälle von willkürlichen
und massenhaften Verhaftungen berichteten.
Der UNO-Bericht sieht die Verhaftungswelle im Zusammenhang
mit dem Streik der Justizangestellten, die in Kolumbien
seit 38 Tagen streiken. Gestern erklärte Präsident
Alvaro Uribe einen begrenzten Ausnahmezustand über
das Land. Danach können Beamte, die nicht zum Dienst
erscheinen sofort durch andere Mitarbeiter ersetzt und
entlassen werden. Die kolumbianische Polizei behauptet,
dass durch den Streik etwa 700 Verhaftete nicht verurteilt
werden könnten.
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