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INTERVIEW MIT CARLOS LOZANO G.
"Der McCarthyismus von Uribe dient dazu, jene abzuqualifizieren, die ihn kritisieren"
PDA – Alemania, Berlin, im August 2008

Carlos Lozano sagt öfters, indem er sich ausdrücklich auf seine angeblichen Verstrickungen in das mediale Spiel der „FARC-Politik“ bezieht: „Wir empfinden es keineswegs als Schande und haben keine Furcht wegen der Tatsache, dass gegen uns mehrere gerichtliche Prozesse angestrengt sind, denn in Wirklichkeit sind das politische Prozesse, die dazu führen sollen, denen Schläge zu versetzen, die auf die eine oder andere Weise für eine politische Lösung und für den Frieden in unserm Lande gearbeitet haben. Ihr, die ihr dieses demokratische und patriotische Kolumbien repräsentiert, könnt sicher sein, dass wir unter allen Umständen in dieser Richtung weiter wirken werden. Wir werden weiter, unter allen Umständen, auch wenn wir dafür ins Gefängnis und in die Verliese des Regimes gehen müssen, die politische und Aufbauarbeit leisten und diese Gerichtsprozesse, die letztlich politische sind, in Bühnen des Kampfes und des Widerstandes gegen Herrn Uribe Vélez verwandeln.“ Mit ihm hat der Alternative Demokratische Pol Kolumbiens in Deutschland folgendes Interview geführt.

PDA Alemania: Nach der Befreiung von Ingrid Betancourt und weiteren 14 Personen, die sich in der Gewalt der Guerilla der FARC befanden, haben sich zwei Tatsachen von Bedeutung ergeben. Einerseits sind unzweifelhaft die militaristischen Positionen der Regierung Uribe gegenüber den Aufständischen und der nationalen Bewegung für Frieden gestärkt worden. Andererseits war die Rettung von Ingrid ein Ereignis, das Widerhall auf internationaler und nationaler Ebene fand, was sich in einer Art Euphorie in Europa ausdrückte, in einigen Ländern mehr, in anderen weniger. In welcher Situation befinden sich die Kräfte, die für eine politische Lösung durch Verhandlungen, für eine nicht militärische Lösung des Konflikts in Kolumbien eintreten?

Carlso Lozano G.:
Der Erfolg der „Operation Schach“ darf nicht aufgefasst werden als Modell für die Geiselbefreiung. Ein Gleiches wiederholt sich nicht. Aus diesem Grunde muss die Regierung von der Wolke des Triumphalismus herabsteigen und mit mehr Bescheidenheit die bessere Perspektive für die Lösung des Konflikts sehen. Umso mehr jetzt, wo bewiesen ist, dass bei der „Operation Schach“ das Emblem der Internationalen Roten Kreuzes und die Logos von zwei Fernsehketten von Nachbarländern benutzt wurden. Das sind Verletzungen des humanitären Völkerrechts und der Freiheit der Presse, denen die Regierung nicht ausweichen kann mit dem Märchen, dieses sei ohne Belang. Es ist eine Hauptfrage. Man muss darauf antworten auf den Höhen der Macht, und es ist nicht zu akzeptieren, dass sie jetzt versuchen, die Verantwortung auf einen Zugführer und einen Soldaten abzuwälzen, während nicht der geringste Zweifel besteht, wie die jetzt bekannt gewordenen Videos der Armee zeigen, dass dies Teil der sorgfältigen Vorbereitung war. Es war abgekartet und bekannt in den höchsten Kreisen der Regierung. In diesem Sinne ist die Möglichkeit des humanitären Austausches an einem toten Punkt angekommen. Es gibt zu viel Misstrauen von Seiten der Guerilla und wahrscheinlich eine sehr strikte Position, keine Schwäche zu zeigen trotz der Schläge, die sie in den letzten Monaten hinnehmen musste. Der Frieden ist ein revolutionäres und demokratisches Banner, keins der Rechten, die für den Krieg und gewaltsame Auswege ist, deshalb kommt es der Guerilla zu, einen realistischen Vorschlag für Frieden und Austausch zu unterbreiten, der die politische und humanistische Lösung erleichtern könnte.

PDA Alemania: Die Regierung von Álvaro Uribe hat in einem triumphalistischen Klima die Absicht, herausragende soziale Führer, die sich für den Frieden in Kolumbien eingesetzt haben, einzukerkern und vor Gericht zu stellen. Ich spreche von Piedad Córdoba, Gloria Ines Ramírez, Wilson Borja und Ihnen selbst. Wie ist die persönliche, juristische und politische Situation von Ihnen allen angesichts dieser Gewaltmaßnahmen?

Carlos Lozano:
Gegenwärtig befinden sich die Prozesse sowohl beim Obersten Gerichtshof als auch bei der Staatsanwaltschaft in der vorbereitenden Etappe, es gibt noch kein konkrete Beschuldigung, ausgenommen in den Fällen von Jean Pierre Gontard und William Parra, die zur Vernehmung vorgeladen wurden. Es sind politische Prozesse, die dazu bestimmt sind, die Situation der Parapolitik mit der Linken gleichzusetzen, aber der Hintergrund ist die Absicht, den Kampf für den Frieden und den humanitären Austausch unter Strafe zu stellen. Die Regierung ist in Wut, weil sie unter zu vielen Belastungen steht, wie die Parapolitik und Yidis-Politik, es ist eine Regierung ohne Würde und sie kann alles mögliche tun, um einen Rauchschleier zu werfen. Aber ich habe keine Angst. Sie können mich ins Gefängnis stecken, aber sie werden mich nicht zum Schweigen bringen, weil ich auch hinter Gittern fortfahren werde, meine Stimme zu erheben für den Frieden, die Demokratie und die soziale Gerechtigkeit.

PDA Alemania: Die europäischen Regierungen haben die Politik von Uribe Vélez unterstützt, kritische Stimmen sind eher die Ausnahme. Auf sozialem Gebiet bevorzugen viele Organisationen, die sich für Lateinamerika engagieren, die Arbeit in Venezuela, Ekuador oder Bolivien. Länder wie Kolumbien, wo mehr Solidarität und internationale Präsenz nötig wäre wegen des Grades an Repression, den sie erleiden, treffen nicht auf dieses Verständnis. Was erwarten Sie in Europa zu finden?

Carlos Lozano:
Verständnis und Solidarität. Europa hat sich immer für den Frieden und den humanitären Austausch ausgesprochen, aber es schweigt angesichts der rechtswidrigen Handlungen der Regierung Uribe. Die Menschenrechte werden in hohem Grade verletzt, und das hat mit dem Autoritarismus zu tun und damit, dass den Organen der staatlichen Gewalt bei der Aufstandsbekämpfung freie Bahn gegeben wird. Uribe selbst fördert die Willkür, wenn er jeden als Terroristen brandmarkt, der sich ihm entgegenzustellen wagt. Europa kann gegenüber dieser Situation nicht weiter Stillschweigen bewahren mit dem Argument, dass Uribe die Legitimität repräsentiert. Welche Legitimität? Die der Parapolitik, jene, die ihm erlaubte, die Stimme von Yidis Medina zu kaufen, um im Abgeordnetenhaus seine Wiederwahl bestätigen zu lassen, die Legitimität seiner erwiesenen dunklen Beziehungen zu nicht sehr ehrenhaften Leuten?

PDA Alemania: In Europa wird auf Ansuchen der Regierung Uribe Vélez eine Hexenjagd entfesselt. Wie schätzen Sie diese Situation ein und was will die Regierung Kolumbiens mit diesen Festnahmen erreichen?

Carlos Lozano:
Es ist eine Hexenjagd, die von Kolumbien aus gegen die Aktivisten des Friedens und der Solidarität in Europa veranlasst wird. Eine Methode, um die Aufmerksamkeit mit dem Lügengespinst von einem internationalen Netzwerk der FARC, das es nicht gibt, von dem nationalen Problem abzulenken. Der McCarthyismus von Uribe dient dazu, jene abzuqualifizieren, die ihn kritisieren; das Schlimme ist, dass Medien und Regierungen Europas sich dafür hergeben.

 



 
     
     
   
     
     
 
 
 
 
     
     
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