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Die Überwindung der Doktrin der Nationalen Sicherheit ist ein Muss für die Demokratie in Kolumbien
Carlos Ceballos, PDA - Deutschland, 21.01.08

Nach dem 2. Weltkrieg glaubte man, der Faschismus sei überwunden und es begänne weltweit eine neue Ära des Friedens und des Wohlstands für die Völker der Erde.

Sehr bald wurde diese Hoffnung enttäuscht und es begann der Kalte Krieg zwischen den zwei militärisch-ökonomischen Mächten (Blöcken), Vertreter zweier verschiedener politisch-ökonomisch-ideologischer Systemen: dem Liberalismus und dem Sozialismus.

Seit Ende der Vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es immer wieder regionale / lokale Kriege, darunter zum einen Befreiungskämpfe in Afrika, Asien und Lateinamerika und zum anderen Besetzungen und Invasionen wie z.B. in Korea, Vietnam, Palästina, Afghanistan.
Die Konfrontation der Systeme zeigte sich aber auch auf wissenschaftlicher mittelbarer und wirtschaftlicher Ebene.

Die Politik der friedlichen Koexistenz und der militärischen Aufrüstung wurde begleitet durch die Aufteilung der Welt in Einflusszonen und dies brachte mit sich, dass sich der amerikanische Kontinent (unter anderen Regionen dieses Planeten) in den Hinterhof der USA verwandelte.

Schon in den 50iger Jahren in Guatemala und weitaus stärker nach dem Triumpf der Bewegung 26. Juli in Kuba institutionalisierte sich aus der Logik einer Bedrohung der nationalen Interessen heraus von Seiten der US- Regierung und seiner Wirtschaftsunternehmen die Doktrin der Nationalen Sicherheit.

Diese Doktrin, die den totalen und fortdauernden Krieg gegen den Kommunismus postuliert (ersetzen Sie heute Kommunismus durch Narkoterrorismus) repräsentiert die Ideologie der militärischen Vorherrschaft der USA über die sogenannten Länder der 3. Welt. In Kolumbien identifiziert sie den inneren Feind mit der Kommunistischen Partei, mit linken Oppositionsparteien, aufständischen Bewegungen, Gewerkschaftlern, sozialen Bewegungen, Bauern und Eingeborene, die fähig zu sein schienen, den Rahmen sozialer Kontrolle zu überwinden.

Die sogenannte Doktrin der Nationalen Sicherheit hat sich in Kolumbien in unterschiedlichen Ausprägungen und Adaptionen (bis heute) erhalten; Plan Lazo 1962, Statut der Sicherheit und Verteidigung der Demokratie 1978, Niederschwellige Konfliktstrategie 1982, Politik der Demokratischen Sicherheit 2002. Dies gelang durch die Festlegung einer Beziehung der Abhängigkeit zwischen den Streitkräften und gesellschaftlichen Kräfte (einschließlich politischer Parteien, Wirtschaftsgremien und seit den 80igern der Drogenmafia) mit dem Ziel einer strikten Kontrolle über die sozialen Konflikte und der Verhinderung der Ausweitung von Ideologien, die die expansionistischen Interessen der US-Supermacht bedrohen könnten.

Schon während den Friedensverhandlungen der Regierung von Belisario Betancur (1982 – 86) wurden diese Szenarien benutzt zur Konsolidierung zweier wichtiger Ziele der nationalen Macht: die militärische Aufrüstung des Staates und die Erweiterung des internationalen politischen Raumes.

So sagte der damalige Innenminister, Jaime Castro, das erste große Ziel des Friedensprozesses war die Verlangsamung der Eskalation des Krieges, die Herabsetzung der Intensität, des Rythmus und der Dynamik der Auseinandersetzung (...); und erst in zweiter Linie die Stärkung des demokratischen Systems, in der Weise wie es bewies, dass innerhalb dieses mit seinen Mitteln die Herausforderung beherrschbar war (...) und den kolumbianischen Staat in die Möglichkeit versetzte, nach den Anforderungen des Problems zu handeln ... Der Akt der Anerkennung der Aufständischen als eine kriegsführende Organisation implizierte weit mehr als die Notwendigkeit einer schnellen und dringenden demokratischen Öffnung und einer Deaktivierung der internen Kriegsmechanismen. Er beinhaltete die Möglichkeit des Sieges über eine expandierende politisch-militärischen aufständische Macht.

Die scheinbare Existenz von Eigenmächtigkeit und Handlungsautonomie gegenüber den nordamerikanischen Militärstrategen der verschiedenen kolumbianischen Regierungen und ihr „guter Wille“ während der Dialoge und Friedensabkommen in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten sind Bestandteile der Aufwertung des Krieges, die, indem bei inneren Konflikten verbündeter Staaten durch die Kombination von militärischen, politischen, ökonomischen und psychologischen Elementen der Geheimdienste und der Kontrolle der Bevölkerung letztendlich die internen bewaffneten Kräfte gestärkt werden, zu einer zermürbenden Verlängerung der kriegerischen Auseinandersetzung führen.

In den letzten 9 Jahren konnten wir in Kolumbien die Perfektionierung der Anwendung der Doktrin der Nationalen Sicherheit erleben, mittels Plan Colombia I nd II und der erstmals realen Möglichkeit integraler Bestandteil der Politik des Staates zu werden, so vorgesehen im „Gesetz zur Demokratischen Sicherheit“ für die nächste Legislaturperiode 2008 im Kongress der Republik.

So wurde die Sicherheit als vorrangiges nationales Ziel eingeführt, nachdem die nordamerikanischen Militärtheoretiker bestimmt hatten, dass eine soziopolitische und territoriale Integration durch eine Erweiterung des internationalen politischen Gewichts Kolumbiens als Verbündeter im Kampf gegen den Terrorismus erreicht werden sollte.
Das Konzept der zivil-militätischen Kooperation im Fall Kolumbien:

Der „Plan für Frieden, Wohlstand und Stärkung des Staates“ 1999 entwickelt ist besser bekannt unter „Plan Colombia“. In seiner jetzt anlaufenden zweiten Phase als „Strategie für die Stärkung der Demokratie und der sozialen Entwicklung“ bekannt.

In verschiedenen Dokumenten, die in letzter Zeit der internationalen Gemeinschaft präsentiert wurden, werden einige Aspekte dieser Strategie für die nächsten Jahre erläutert. Eine Schlüsselrolle in der Ausführung fällt dabei einem sogenannten Koordinationszentrum für die integrale Aktion (CCAI) zu, einem Organ des Präsidentenamtes der Republik Kolumbiens.
Nach eigener Definition versteht sich das Koordinationszentrum für die Integrale Aktion folgendermaßen:

Überbehördliches Zentrum unter Führung des Präsidenten der Republik und unterstützt duch die US-Botschaft und dem Kommando Süd der US – Streitkräften.
Es soll die Legitimität, die Regierungsfähigkeit und die Präsenz des Staates in strategisch wichtigen Zonen des Landes garantieren, die zuvor vom Militär und der Polizei zurückgewonnen wurden.

Es entwickelt ganzheitliche wirtschaftliche und soziale Handlungsansätze als Ergänzung zur Verteidigungspolitik und der „Demokratischen Sicherheit im Rahmen der sozialen Wiedergewinnung des Territoriums.

Die Doktrin der Integralen Aktion (DAI), vom Verteidigungsministerium
Die theoretische und operationale Grundlage des Zentrums für die Koordination der Integralen Aktion finden wir im letzten Bericht des Kolumbianischen Verteidigungsministeriums unter der Überschrift: „365 Arbeitstage machen den Unterschied – Jahresbericht des Verteidigungsministeriums, Juli 2006 bis Juli 2007“

Laut diesem Ministerialbericht bedeutet die Politik der Konsolidierung eine Kehrtwendung im Kriegsplan [sic]. Mit diesen Änderungen will der Minister nach diesem Bericht folgendes erreichen:

„Der neue Plan potenziert die aus der Kombination zwischen militärischen Komponenten und der integralen Aktion gewonnenen Erfahrungen zur sozialen und militärischen Rückeroberung des Territoriums.“

Im Rahmen der territorialen Konsolidierung werden die militärischen Anstrengungen auf den Kampf gegen den Drogenhandel und auf die Sozialpolitik ausgerichtet.

Putumayo ist das Departement mit den meisten Kommunen, die von dem Koordinationszentrum für die integrale Aktion (CCAI) unterstützt wurden.

Der militärische Strategiewechsel basiert auf der „Doktrin der integralen Aktion“ (DAI), unter der man laut Verteidigungsministerium folgendes versteht:

„Ein Verbund von Prinzipien, die sich an der koordinierten Aktion zwischen den legitimen Streitkräften mit der sozialen Aktion des Staates und der zivilen Gesellschaft orientieren sollen.
Das Ziel ist es, in den nächsten 3 Jahren Mittel aus dem Verteidigungshaushalt in Projekte von kommunaler Wohlstandsförderung in Zonen einzubringen, in die bis dato noch nicht der ganze Staat vorgedrungen war, in denen sich aber schon Sicherheitsorgane vor Ort befinden. Dies ersetzt nicht das soziale Handeln des Staates, erlaubt aber, Zeit zu gewinnen für die sozialen Anstrengungen.“

Die Leitlinien des Kommandos Süd der US - Streitkräfte


Wir sahen, dass das genannte Koordinationszentrum für integrale Aktion von dem Präsidenten der Republik geleitet wird und darüber hinaus über die Unterstützung durch die US-Botschaft in Kolumbien und des Kommando Süd (USSOUTHCOM) verfügt.

Was ist das Kommando Süd der US - Streitkräfte?

Der aktuelle Auftrag des Kommandos Süd ist nach eigener Definition, „militärische Operationen anzuführen und Kooperationen in Sicherheitsfragen zu unterstützen, um die strategischen Ziele der USA verwirkliche zu können.“

Es handelt sich dabei um eine militärische Organisation, die sich aus folgenden Teilen zusammensetzt:

Das Südheer der USA (USARSO); der 12. Brigade der Luftwaffe (AFSOUTH); dem Kommando der südlichen US – Marinestreitmacht (USNAVSO), die Südstreitkräfte der US - Marineinfanterie (USMARFORSOUTH), dem US - Kommando Süd für Spezialeinsätze (USSOCSOUTH)). Darüber hinaus gehören drei Einheiten für Komplexe Aufgaben (JTF) mit ausschließlichem Auftrag innerhalb der Hemisphäre, stationiert auf dem Luftstützpunkt Soto Cano in Honduras, auf der Marinestation in der Bucht von Guantánamo, Kuba, und in Key West, Florida, dazu.

Wie das Dokument USSOUTHCOM: „Freundschaft und Kooperation zwischen den Amerikas: Kommandostrategie 2016 des US – Südkommandos“ ausführt“:

Das Kommando Süd ist auf dem Weg sich von einer traditionellen militärischen Organisation in ein übergreifendes interdisziplinäres Kommando für Sicherheit bis 2016 zu wandeln.

Das Kommando Süd – oder genauer gesagt das US – Verteidigungsministerium - machen weitere Faktoren aus, die angeblich die Sicherheit, die Stabilität und das Wirtschaftswachstum der Hemisphäre bedrohen und ihre Intervention rechtfertigen.

Dies sind: Armut und Gleichheit, Korruption, Terrorismus und Kriminalität.

Das SüdKommando bekräftigt, dass“ diese Herausforderungen an die Sicherheit keine traditionellen militärischen Bedrohungen sind sondern oftmals Interaktionen, die staatliche und nichtstaatliche Stellen beeinflussen. Darum ist der Fokus auf die Gesellschaft und die interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig“.

Wir stellen fest, dass die Doktrin der integralen Aktion (DAI) und des Koordinationszentrums für die integrale Aktion (CCAI) des kolumbianischen Verteidigungsministeriums mit dem interdisziplinären Fokus , wie er Vom US – Kommando Süd vertreten wird, korrespondiert. Es handelt sich dabei um kein Geheimrezept (das spezielle Allheilmittel) für Kolumbien: auch in anderen Ländern, wie z.B. Afghanistan, findet man diesen Fokus auf die militärische-zivile Zusammenarbeit, die integrale Aktion, im Englischen kennt man es unter die Bezeichnung „Comprehensive approach“.

Der zitierte Text des Kommando Süd der US – Streitkräfte macht im Allgemeinen keine genauen Angaben über die die konkreten Akteuere, darum ist es beachtenswert, dass im Kapitel über Kriminalität besonders kolumbianische Organisationen als Narkoterroristen bezeichnet werden.

Während nach dieser Quelle das Kommando Süd seine Intervention damit begründet, einen Beweis für ein augenscheinliches Ansteigen krimineller Aktivitäten durch kolumbianische Narkoterroristen in der ganzen Hemisphäre erbringen zu können, sucht die kolumbianische Regierung Hilfe in einer dem Kommando Süd entgegengesetzten Argumentation. Auf der Suche nach finanzieller Unterstützung für die zivil-militärische Zusammenarbeit beruft sie sich auf einen erfolgreichen Kampf gegen das Verbrechen und den Terrorismus. Nach ihren Berichten, gab es kein Ansteigen der Delikte sondern ganz im Gegenteil eine drastische Reduzierung.

Da fragt man sich schon, ob die kolumbianische Regierung und das Kommando Süd nicht über die dieselben Zahlen verfügen. Auf jeden Fall überrascht es, dass für die gleiche Intervention sich widersprechende Argumente angeführt werden. Oder werden die Statistiken nach dem Gutdünken und Interessen derjenigen, die sie präsentieren, ausgelegt?

Bleibt zum Schluss anzumerken, dass eine politische Lösung des sozialen und bewaffneten Konfliktes in Kolumbien dem Bewusstsein Rechnung tragen muss, dass der Krieg und ein Entwicklungsmodell, das die Mehrheit der kolumbianischen Bevölkerung ausschließt, sowie die fehlende Unabhängigkeit in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen auf internationale Ebene, ein ernstes Hindernis sind auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden in unserem Land.Globales politisches Handeln, das die Entstehung lokaler Kriege schürt, dient letztlich nur dem Wohl eine Minderheit der Weltbevölkerung, hinter der die wirtschaftlichen Interessen der 500 Konzerne stehen, die die globale Wirtschaft in ihrem Kampf um die natürlichen Rohstoffe der Erde beherrschen.

 


 
     
     
     
     
 

 
 
 
     
     
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