LEITLINIEN
ZUR
EINHEIT

(Deutsch)
   

 

 
     
  :: PDA-DEUTSCHLAND  
  :: 01 - 02 - 03 - 04 - 05 - 06 - 07 - 08 - 09  
 
10.12.2008:
Der sechzigste Jahrestag der Menschenrechtsdeklaration und der Kampf um ein alternatives demokratisches Politikverständnis in Kolumbien
Carlos Hainsfurth, PDA – Alemania. Berlin, 29.11.2008

Die Geschichte der kolumbianischen politischen Entwicklung zeigt uns, dass es bisher ein gebrochenes / gespaltenes Verhältnis zwischen der objektiven Notwendigkeit der Entwicklung/Gründung einer politischen Partei die tatsächlich die Interessen der Mehrheit der Kolumbianer vertritt und dem Politikverständnis und Bewusstsein der Mehrheit der Bevölkerung des Landes gibt.

Dieses wurde u. a. durch die jahrhundertlange Identifizierung und Umsetzung von Gesellschafts- Politik- Wirtschafts- und Entwicklungsmodelle, die als Eigene von Oben nach Unten in das Erziehungs-, Werte- und Verhaltensmustersystem projiziert und etabliert worden sind, bedingt und geprägt.

Die ökonomischen Eliten haben bis Heute mit Unterstützung der Institution Katholische Kirche und des in den Vereinigten Staaten von Amerika geschulten Militärs trotz einiger Fortschritte die Öffnung des politischen Parteiensystem und der offenen partizipativen Auseinandersetzung der politischen Ideen gewaltsam verhindert.

So wurden politisch Andersdenkende im letzten Jahrhundert, die innerhalb des Establishments eine volksnahe Politik verfolgten vernichtet (Jorge Eliecer Gaitán, Luis Carlos Galán, Jaime Pardo Leal, Bernardo Jaramillo Ossa, Carlos Pizarro Leongomez, u.a.), autonome Organisationsformen der Bauern in die Enge und in die Illegalität gezwungen, die Gewerkschafts-, Studentenbewegung in ihrer Entwicklung eingeschränkt, gegen die Mitglieder einer ganzen politischen Partei (Union Patriótica) eine Ausrottungspolitik durchgeführt, und der auf die Erkennung und Herausstellung der kulturellen Vielfalt Kolumbiens gerichtete Identifizierungsprozess bisher im Keim erstickt.

Der Gesellschaftsvertrag, der aus der Verfassungsgebenden Versammlung von 1991 entstanden ist, ist ein seltenes Beispiel für die Intelligenz eines Teiles der herrschenden Eliten in Kolumbien. Es war der Versuch eines Teiles der in die Illegalität getriebenen sozialer Kämpfer durch das Teilhabenlassen an die Reform der Verfassung und entsprechender Verankerung der sozialen, kulturellen und ethnischen Rechte in das politische System, zu kooptieren, ohne Veränderung der ungerechten Besitz- und Produktionsverhältnisse auf dem Land und in den urbanen Zentren Kolumbiens und ohne die Neuformulierung der Aufgaben und Pflichten der kolumbianischen Streitkräfte als Garanten der Integrität der Grenzen des Staatsgebietes im neuen Verfassungstext von 1991 anzugehen.

Im Laufe der 90er Jahre wurden die neu definierte Inhalte eines demokratischen sozialen Rechtsstaats durch die Vertiefung der ökonomischen Öffnung der Wirtschaftsstrukturen an das Ausland: Arbeitsteilige Spezialisierung als Rohstofflieferanten(Erdöl, Kohle), Entwicklung großflächigen agroindustriellen Anbauten (Ölpalme/Biodiesel), Ausverkauf der Biodiversität, Kokainexport, notwendigerweise gewaltsam zurückgeschraubt.

Die Umstrukturierung des Drogengeschäftes (Produktion und Vermarktung) durch die Zerschlagung der traditionellen Kartellen in der Dekade vor der Jahrhundertwende und die regionale Einflussgewinnung/Verschmelzung mit den Klientelpolitiker der traditionellen Parteien hat eine neue Qualität in der Form der Politikausübung und des gesellschaftlichen Miteinander eingebracht und etabliert: Die Waffen, das Geld, der neue Lebensstil und politische Allianz (Entwertung des ehrlichen aufrichtigen Lebens/anderes Moral- und Werteverständnis) haben sich noch mehr in den 90er durchgesetzt und in den ersten 8 Jahren dieses Jahrhunderts gegen die soziale Bewegungen ihren Zerstörungsfeldzug brutal fortgesetzt, hier nur ein Paar punktuelle Beispiele: Inzwischen vier Millionen interne Vertriebene, in den letzten zwei Jahren mindestens 532 extralegale Hinrichtungen, im Jahr 2008 um die 42 ermordete Gewerkschaftler, willkürliche Verhaftungen auf den ländlichen Gebieten wie Arauca gehören zum Alltag in Kolumbien.

Gründung des Demokratischen Alternativen Pol Kolumbiens


Im Rahmen dieser politischen Entwicklung und nach dem Scheitern der Friedensgespräche von San Vicente del Caguán zwischen der Regierung Pastranas und der FARC wird der zur Zeit in zweiter Periode amtierender Präsident Alvaro Uribe Velez 2002 gewählt. In den Jahren 2003 und 2004 wurde vor allem im Kongress die Opposition durch die Mitglieder der Vorgängerorganisationen des jetzigen Alternativen Demokratischen Pols, die Demokratische Alternative (AD) und der unabhängige Demokratische Pol (PDI) getragen. Auf außerparlamentarische Ebene wurde zum Beispiel gegen das von Uribe Velez 2004 vorgeschlagene Referendum, um die Verfassung von 1991 in ihren demokratischen Inhalte zu verändern, aktiv durch den damaligen Zusammenschluss der sozialen Organisationen Kolumbiens, Große Demokratische Koalition (Gewerkschaften, Studenten, Bauern, Indigene, Afrokolumbianer, Künstler, Intelektuelle, etc.) mitgewirkt.

Getrieben durch die gemachten Erfahrungen der Zusammenarbeit im Parlament und von dem Erfolg der Großen Demokratischen Koalition und von der Notwendigkeit eine politische linke Alternative auf legalem Wege gegen die voranschreitende Militarisierung des Lebens und Denkens in Kolumbien anzubieten wurde ab Januar 2005, geführt vom damaligen Vorsitzenden des PDI, Samuel Moreno Rojas, und vom Koordinator der AD, Carlos Gaviria Diaz, einen neuen Versuch in Angriff genommen, den Regenbogen der demokratischen und linken Strömungen des Landes in einer zu gründenden Partei übereinkommen zu lassen.

Die Gründung der Partei Polo Democrático Alternativo erfolgte auf der Grundlage der am 26. November 2005 verabredeten Leitlinien zur Einheit im Dezember 2005.

Der PDA, der vom 26. - 28. Februar 2009 in Bogotá seinen zweiten Kongress abhalten wird, ist derzeit von einem Umbruch bestimmt: Wird der Polo Democrático Alternativo wie bisher ein Wahlbündnis bleiben oder sich zu einer Partei der sozialen Bewegungen werden und aus diese Bewegungen ihre Stärke holen? In den knapp drei Jahren seit seiner Gründung hat die neue Linkspartei sicherlich einige Fortschritte erzielt, (Bürgermeisteramt von Bogotá, Gouverneursamt von Departement Nariño). Ansätze für eine andere politische Kultur waren z. B. in der öffentlichen Konsultierung der Bestimmung des Kandidaten bei den Präsidentenwahlen 2006 zu erkennen.

Der zweite PDA-Kongress im Februar 2009 muss über das politische Programm – auch im Hinblick auf ein zukünftiges Regierungsprogramm und über eine Koalitionspolitik mit anderen politischen Organisationen bestimmen, ohne die Leitlinien der Einheit über Bord zu werfen. Sie muss auch darüber beraten, wie die Strategie aussehen soll, die Partei aufs Land und zu den sozialen Bewegungen zu bringen, ohne sie zu instrumentalisieren. Das heißt, ob die junge Partei mit Leben von unten gefüllt und ihr Politikverständnis durch die Bevölkerung selbst definiert und erweitert wird, und sie zu einem politisches Instrument wird, das die notwendigen demokratischen Veränderungen in Kolumbien voranbringt.

Die Einschränkung der Politikausübung und des sozialen Protestes


In den letzten 9 Jahren konnten wir in Kolumbien die Perfektionierung der Anwendung der Doktrin der Nationalen Sicherheit erleben, mittels Plan Colombia I und II und der erstmals realen Möglichkeit über ein vom Kongress verabschiedeten Gesetz integraler Bestandteil der Politik des Staates zu werden.__Der „Plan für Frieden, Wohlstand und Stärkung des Staates“ 1999 entwickelt ist besser bekannt unter „Plan Colombia“. In seiner jetzt anlaufenden zweiten Phase als „Strategie für die Stärkung der Demokratie und der sozialen Entwicklung“ bekannt.__Es entwickelt ganzheitliche wirtschaftliche und soziale Handlungsansätze als Ergänzung zur Verteidigungspolitik und der „Demokratischen Sicherheit im Rahmen der sozialen Wiedergewinnung des Territoriums.

Ergebnisse dieser Kooperation sind: die Zunahme der willkürlichen Verhaftungen Andersdenkende in den Regionen und Großstädte des Landes, das Auseinanderfallen und Umkehrung der Moral- und Wertevorstellung bei dem kolumbianischen Militär und der gesamten Gesellschaft. Beispielsweise hat die 2005 erlassene Direktive des Verteidigungsministerium für im Kampf gefallene Guerilleros Geldprämien und Urlaub zu gewähren, dazu geführt die Logik der sogenannten „positive falsche Erfolgsmeldungen“ zu folgen und das Spitzelsystem von einer Million Informanten im Dienste des Krieges die Entwertung des Lebens und der Wahrheit durch eine entsprechende angebotene finanzielle Belohnung herbeigeführt.

Heute strebt die kolumbianische Regierung unter Anwendung der verschiedenen verfassungsrechtlichen Ausnahmeregelungen wie: Ausnahmezustand wegen sozialer oder finanzieller Erschütterung, den sozialen Protest der Justizangestellten, der Zuckerrohrarbeiten, der Indigenen, Afrokolumbianer, und Bauern, der Studenten, der Kulturschaffenden, u.a. zu unterbinden, um das Konzept der „Demokratischen Sicherheit“ zu Ende zu führen:

Spezialisierung als Rohstofflieferant, Entwicklung der Agrarexportwirtschaft für die Biodieselproduktion, Stärkung des Großgrundbesitzes, Legalisierung vom Profit aus dem Drogengeschäft über nicht lange bestehende Finanzgesellschaften, Erweiterung der Funktionen und Präsenz der Streitkräften im zivilen Leben (Die Polizei ist dem Verteidigungsministerium unterstellt).

Im sechzigsten Jahr der Deklaration der universellen Menschenrechte regiert in Kolumbien Uribe Velez und seine Mannschaft und sie akzeptieren in der Praxis keine Kritik internationaler Menschenrechtsorganisationen, wie zuletzt im Oktober 2008 in den Berichten von Amnesty International und Human Rights Watch erschienen. Der kolumbianische Präsident hat Amnesty des Fanatismus, der Blindheit und des Dogmatismus gegenüber seiner Regierung beschuldigt und öffentlich den Direktor der zuständigen Abteilung für das amerikanische Kontinent von Human Rights Watch, José Miguel Vivanco, als Komplize und Verteidiger der FARC Guerilla bezeichnet.

Wir, als Demokratischer Alternativer Pol Kolumbiens, streben nach einer Staats- und Gesellschaftsstruktur, die „die universelle Verbreitung der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Rechte zugunsten des Wohlstandes der Bevölkerung, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben sind, garantiert. Die größten Anstrengungen werden dabei auf die Schaffung der materiellen, sozialen, kulturellen und politischen Grundlagen für eine sozial gerechtes Kolumbien gerichtet.“

Wir rufen die internationale Gemeinschaft und Zivilgesellschaft auf, mehr denn je, Ihr Augenmerk auf die politische und menschenrechtliche Entwicklung in Kolumbien zu werfen. Die kolumbianische Bevölkerung hat das Menschenrecht darauf.

- „Die Überwindung der Doktrin der Nationalen Sicherheit ist ein Muss für die Demokratie in Kolumbien“, in: http://www.pda-alemania.org/08/08_05.html
- Siehe: http://www.amnesty.org/es/library/info/AMR23/023/2008/en und http://www.hrw.org/en/reports/2008/10/16/breaking-grip
- A. a. O., in: www.pda-alemania.org, Leitlinien zur Einheit, Seite 7 (Punkt 4, soziale, wirtschaftliche, kulturelle und Umweltrechte)

 
 

 
     
   
     
 


 
 
 
     
     
Blog del Polo Joven  |  PDA-Kolumbien  |  Kontakt  |  Impressum