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Friedensgemeinde
San José de Apartadó (Kolumbien)
Seit über 40 Jahren herrschen
in weiten Teilen Kolumbiens bürgerkriegsähnliche
Zustände. Fast täglich finden brutale
Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppierungen statt,
zwischen Militärs, paramilitärischen Einheiten,
Guerilla und Banden. Dies alles im Zeichen der Globalisierung
wegen Bodenschätzen (Erdöl, Kohle) und Naturressourcen
oder aus strategischen Gründen (Grenze zu Panama).
Die Kriegsparteien betreiben dabei eine „Politik
der verbrannten Erde“ und versuchen, die umkämpften
Gebiete unbewohnbar zu machen. Die wehrlosen Bauern
der Kampfgebiete werden der Kollaboration mit den Guerillas
beschuldigt und für vogelfrei erklärt.
Im Norden des Landes, in der Provinz Antiochia im Grenzgebiet
zu Panama erklärten sich am 27.3. 1997 die 1350
Einwohner des Dorfes San José de Apartadó
auf Vorschlag ihres Bischofs, in Anwesenheit von Vertretern
verschiedener kolumbianischer NGO`s und einem Vertreter
des Europäischen Parlaments zu einem neutralen
Dorf. Die Gründung des Friedensdorfes war ein Akt
des Widerstandes der Bauern gegen Vertreibung und Flucht.
Insgesamt gibt es heute etwa 50 Friedensgemeinden in
Kolumbien.
Seit der Gründung 1997 wurden 164 Einwohner aus
San José ermordet. Es gab 11 Massaker und zahlreiche
selektive Morde. Zeugen, die aussagten, waren jeweils
die nächsten Opfer. Allein im Jahr 2004 gab es
530 Übergriffe (Morde, Vergewaltigungen, Raub,
Drohungen, falsche Beschuldigungen). Beim letzten Massaker
in 2005 wurden 8 Bewohner, darunter der Sprecher der
Gemeinde und mehrere Kinder, aufgeschlitzt und zerstückelt.
Die kolumbianische Regierung bestreitet jede Verantwortung.
Untersuchungen werden mangels Zeugenaussagen und Beweisen
eingestellt. Zum angeblichen Schutz wurden Armee und
Polizei im Dorf stationiert. Deren Anwesenheit aber
macht das Dorf zum Angriffsziel der Guerilla-Gruppen.
Der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe diskreditiert
die Dorfbewohner, indem er behauptet, sie würden
mit der FARC (der größten Guerilla-Gruppe)
kooperieren und empfiehlt öffentlich, nicht mehr
von Friedensdorf zu sprechen, um ihnen so dem Schutz
der Genfer Konvention zu entziehen.
Heute ist San José de Apartadó die am
akutesten von Austilgung bedrohte Friedensgemeinde der
Region.
Unterstützt wird die Friedensgemeinde von Pater
Javier Giraldo von der Menschenrechtsgruppe „Justicia
y Paz“ und der „UNESCO-Bürgermeisterin
des Friedens“ Gloria Cuartas.
Es gibt ein Solartechnologie-Projekt des Friedensforschungszentrum
Tamera/Portugal, zusammen mit dem deutschen Bundestagsabgeordneten
und Träger des alternativen Nobelpreises Hermann
Scheer.
Die Friedensgemeinde San José de Apartadó
ist ein zukunftsträchtiges Entwicklungsmodell,
das den Bewohnern eine Überlebenschance gibt, aber
auch der kolumbianischen Regierung eine Exit-Möglichkeit
aus dem Bürgerkriegszustand bietet.
Die Prinzipien der Friedensgemeinde:
• keinerlei Unterstützung von oder Kooperation
mit bewaffneten Konflikt-Parteien
• friedlicher, gewaltfreier Widerstand
• keine Bewaffneten in der Friedensgemeinde
• keine Drogen (kein Anbau, Handel, Eigennutzung
in der Gemeinde)
• kein Alkohol im Friedensdorf
• Gegenseitige Hilfe ( Produktion, Gesundheit)
• Transparenz innerhalb der Gemeinschaft
Bilanz dieser 40 Jahre:
• 3 Millionen Flüchtlinge innerhalb des Landes
– sie gelangen meist in die Slums der Großstädte
• 5 Millionen Exil-Kolumbianer
• 3500 „Verschwundene“ , 3500 Entführte
• 70.000 Ermordete – meist Zivilisten
Zusammenfassung:
Mit der Auszeichnung der Friedensgemeinde San José
de Apartadó und seiner Bewohner mit dem Aachener
Friedenspreis werden Menschen gewürdigt,
• die sich gewaltlos von unten für Frieden
einsetzen• die täglich dafür bedroht
sind
• die bislang keine Auszeichnung erhielten
• die wir mit der Auszeichnung stärken können.
Weitere Informationen:
www.pbi-deutschland.de
www.kolko.de
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